Usedomer Musikfestival feiert Jubiläum

23 / 06 / 2013
Usedomer Musikfestival feiert Jubiläum
Usedomer Musikfestival feiert Jubiläum

Kulturattaché Harry Liivrand: „Musik gehört zu unserer Identität“

Seebad Ahlbeck (dp). „Estland hat `Skype´ hervorgebracht. Es ist charakteristisch für uns, Neues hervorzubringen“. Das sagte gestern Estlands Kulturattaché Harry Liivrand in Ahlbeck. Der Berliner Botschaftsmitarbeiter war extra in den Ahlbecker Hof angereist, um gemeinsam mit Intendant Thomas Hummel, Dramaturg Jan Brachmann und dem Vorsitzenden des Fördervereins Usedomer Musikfreunde e.V. Rolf Seelige-Steinhoff das Programm des 20. Usedomer Musikfestivals im kommenden Herbst vorzustellen.

Liivrand bezeichnete das kleine baltische Land mit seinen rund 1,3 Mio. Einwohnern als musikalische Großmacht. „Musik gehört zu unserer Identität“, so der Kunsthistoriker und Kulturkritiker. Stolz ist er natürlich auch darauf, dass Estland nicht nur Skype „erfunden“ hat, sondern dass auch viele namhafte Dirigenten dort beheimatet sind.

Gleich drei davon werden mit Neeme, Paavo und Kristjan Järvi ab 21. September beim Jubiläumsfestival am Dirigentenpult stehen. „Erstmals werden die vier Järvis gemeinsam zu einem Festival in Deutschland kommen“, ist so auch Festivalchef Thomas Hummel stolz. Neben Vater Neeme Järvi werden dessen Söhne Paavo und Kristjan jeweils ein Peenemünder Konzert leiten. Beim Abschlusskonzert am 12. Oktober mit dem NDR-Sinfonieorchester unter Leitung von Neeme Järvi wird zudem Tochter Maarika Järvi als Solistin an der Querflöte zu hören sein.

Den Auftakt zum Jubiläumsfestival bestreitet eine Woche vor dem eigentlichen Festivalbeginn am 13. September Maestro Kurt Masur mit einem Sonderkonzert im Kraftwerk Peenemünde. Der Ehrenschirmherr wird mit dem Baltic Youth Philharmonic zum Wagner-Jahr Vorspiele zu „Tannhäuser“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“ aufführen.

Das Sonderkonzert eingerechnet gibt es in der Jubiläumssaison somit vier Peenemünder Konzerte. Am 21. September wird Kristjan Järvi mit dem Baltic Youth Philharmonic Wagners „Ring ohne Worte“ in der Fassung von Henk de Vlieger im Kraftwerk Peenemünde aufführen. Darüber hinaus lässt Järvi ein Konzert für Fagott (Martin Kuuskmann) und Orchester des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür erklingen.

Am 24. September dirigiert Paavo Järvi die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen im Kraftwerk Peenemünde. Der Konzerttitel „Volle Kraft Beethoven“ scheint speziell für den Aufführungsort gewählt zu sein. Neben Beethoven steht auch der estnische Komponist schlechthin, Arvo Pärt, auf dem Programm.

Bis zum Abschlusskonzert dürfen sich die Musikfreunde auf 35 Konzerte mit über 700 Musikern an 27 Veranstaltungsorten freuen. Dabei reicht das Spektrum von mittelalterlicher über romantisch-sinfonische bis hin zur Musik der vergangenen vierzig Jahre.

Natürlich fehlen auch im 20. Jahr des Usedomer Musikfestivals die festen Größen nicht. Zu diesen zählen das Ostsee-Musikforum mit David Geringas, die Gastspiele der Young Concert Artists-Preisträger, das Junge Usedomer Musikfestival, die Veranstaltungen in Kindergärten und die Verleihung des Usedomer Musikpreises. Der geht in diesem Jahr an das junge Berliner Ensemble „Berlin Counterpoint“, wie Thomas Hummel gestern bekanntgab. „Berlin Counterpoint“ tritt am 28. September im Kulturhaus Swinemünde unter anderem mit Werken von Mozart, Poulenc und Tüür auf.

Ein ganz besonderes Konzert sei noch ans Herz gelegt, da es die estnische Musikseele am besten beschreibt. Denn, so Liivrand: „Die Natur spielt immer eine große Rolle in unserer Musik“. „Wo Wotans Weltesche stand“ wird am 29. September in der Netzelkower Dorfkirche aufgeführt. Der Geobotaniker Hansjörg Küster erläutert am Rande des Konzerts in einem Vortrag, warum die estnische Insel Saaremaa wahrscheinlich der Ursprung der germanischen Sage Edda ist. Darin spielt die Esche bekanntlich eine große Rolle. Wie der Zufall so will, ist sowohl die Straße nach Netzelkow von einer Eschenallee gesäumt als auch die Feldsteinkirche von zwei Eschen flankiert.


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Dietmar Pühler

Dietmar Pühler

Das Gespür für Themen, gründliche Recherchen und stilsichere Formulierungen gehören zu meinem Markenzeichen: d:p. Als freier Journalist arbeite ich unabhängig für Agenturen, Tages- und Wochenzeitungen sowie Online-Portale.Schreibblock, Kugelschreiber, Kamera und Laptop, mehr brauche ich nicht für meine Arbeit dort, wo andere Urlaub machen.