Tour-Stopp der Kellys in Ahlbeck

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Jaqueline Bohlig aus Hamburg brachte Tee für Joey Kelly mit, Anja Neumann (re.) ein Glas Honig aus Mellenthin

Mit dem Bulli von Berlin über Usedom nach Peking

Seebad Ahlbeck (dp). 11.000 km, 44 Tage, 0 Euro. Diese drei Zahlen stehen für die Berlin-Peking-Challenge von Joey und Luke Kelly, die Vater und Sohn am Mittwochabend nach Ahlbeck brachte. Die zwei aus der berühmten Musikerfamilie starteten am Montag in Berlin ihr Abenteuer, denn nichts anderes ist es, wenn man mit einem mehr als 50 Jahre alten VW-Bus der Reihe T1 einen solchen Langstreckenritt auf sich nimmt.

Über Rostock, Stralsund und Greifswald war das Seebad Ahlbeck die letzte Station auf deutschem Boden. Gestern ging es für die Kellys weiter nach Danzig und heute sind sie auf dem Weg nach Litauen. Danach fahren sie mit ihrem rot-weißen Bulli über Lettland und Estland nach St. Petersburg sowie über Moskau, Kasachstan und die Mongolei nach China.

In Ahlbeck kamen die beiden pünktlich um 19.30 Uhr auf dem Seebrückenvorplatz an. Schnell waren ein Tisch und zwei Werbefahnen aufgebaut. Kaum standen alle Utensilien auf dem Tisch, waren die Protagonisten von einer Menschentraube umringt. „Vielen Dank, dass Sie alle gekommen sind und uns einen Cent aufwärts geben. Wir hoffen, dass wir damit nach Peking kommen“, sprach Joey Kelly in die Runde.

Gestartet ist der Musiker mit seinem 19-jährigen Sohn ohne Geld und ohne Proviant. Alles, was sie benötigen, wollen sie sich in den sechs Wochen bis Peking „verdienen“. Dabei helfen die CDs, die sie an Bord haben, ungemein. Bereits für 1 Cent gibt es die kleinen Scheiben handsigniert von Joey und Luke Kelly. Die meisten stecken aber Geldscheine in die selbstgebastelte „Spendenbox“.

Unter den Besuchern waren auch etliche Fans der „Kelly Family“, so wie Nicole Jahn aus Halle, die ein weißes T-Shirt mit rotem Herz und der Inschrift „Joey“ trug. Die 37-Jährige verbringt derzeit ihren Urlaub in Trassenheide. „Das Festival-Shirt ist mit in den Urlaub gegangen, da ich wusste, dass Joey hier sein wird“, erklärt die Mutter von Aidan. Der Sohnemann trägt wegen der Kellys einen gälischen Vornamen, der so viel wie „Kleines Feuer“ bedeutet.

„Ich bin Fan seit der Straßenmusik, also seit 27 Jahren“, schiebt die Hallenserin nach, die schon etliche Konzerte der Kelly Family besucht hat. Mit Straßenmusik versucht derzeit Constanze Budde aus Greifswald ihre eigene Challenge (zu deutsch: Herausforderung) zu meistern. „Meine Challenge ist, ob ich mit der Straßenmusik Geld für ein Kelly-Konzert zusammen kriege“, so die junge Dame, die sowohl mit dem Cello als auch mit der Gitarre in Stralsund, Greifswald und auf Usedom musiziert.

Für Constanze hatte Joey eine Überraschung parat: „Du bekommst ein Ticket von mir geschenkt“. Die Greifswalderin war zunächst baff, dann hocherfreut. „Das ist eine coole Sache, wir haben auch überall gespielt. Du kommst in unser Buch. Wir machen ein Tour-Buch“, erklärte Joey Kelly.

Außer über Geldscheine konnten sich die Abenteurer auch über Naturalien freuen. So brachten Fans Doseneintopf, eine halbe Pizza oder Tee als Proviant mit. Die Pizza allerdings müssen sie kalt verzehren, denn: „Wir haben keine Mikrowelle an Bord“, lacht Joey Kelly. Die 12 Volt reichen dafür nicht aus. Spenderin der halben Pizza und einer Schachtel Indischen Tees war Jaqueline Bohlig aus Hamburg. Für sie war kein Weg zu weit, um ihr Idol zu treffen. Denn tags zuvor war sie noch in Lagos (Nigeria). „Um 6 Uhr war ich in Frankfurt und um 10 in Hamburg. Dann sind wir hierher gefahren – extra für die Challenge“, erklärt die Flugbegleiterin.

Nach kurzem Gespräch mit Joey sagte dieser laut: „Die Dame ist von der Lufthansa. Sie fliegt uns vielleicht zurück von Peking“. Jaqueline Bohlig will auf jeden Fall den „Wunschflug“ bei ihrer Airline vormerken lassen, sollten die Kellys mit Lufthansa fliegen.

Als nächste drückte Anja Neumann aus Pudagla Joey Kelly ein Glas Honig von der Insel Usedom in die Hand. „Ich habe überlegt, was ich ihm schenken kann. Ein Tankgutschein? Das wird schwierig. Sie sind ja morgen schon in Polen. Das Honigglas hatte ich gerade da zu stehen“, sagte die Insulanerin schmunzelnd.

In den Hansestädten und auf Usedom hatten es der berühmte Musiker und sein Sohn leicht, für ihre Reise Geld und Proviant einzuwerben. Doch auch für Polen und die baltischen Staaten ist Joey Kelly optimistisch. „In Polen sind wir bekannt, im Baltikum auch. In Russland und der Mongolei weniger. Das wird Abenteuer pur. Hoffentlich hält das Auto“, schaut Kelly Senior voraus. Doch Vertrauen in das alte Gefährt hat er schon, auch wenn bereits die Lichtmaschine ausgefallen war. Immerhin hat der Bulli einen neuen 2-Liter-Motor mit 75 PS, ein neues Getriebe und neue Bremsen.

Auf die Frage, warum er ausgerechnet auf Usedom einen Tour-Stopp eingelegt hat, antwortet Joey Kelly so: „Ich war hier im Frühjahr (bei „Baltic Lights“, die Red.). Das war so geil mit den Hundeschlitten. Ich komme nächstes Jahr wieder, falls ich eingeladen werde. Ich fand die Veranstaltung gut gelungen.“ Sollte er wiederkommen, hat er sicherlich auch sein Tour-Buch „Die Bulli-Challenge – Von Berlin nach Peking - 0 Euro, 44 Tage, 11.000 km“ im Gepäck.